Wie liest man das Höhenwind-Profil?

Öffne ein beliebiges Fluggebiet in Sichtflug und scrolle zum Abschnitt Höhenwind. Dort findest du ein Diagramm, das den Wind auf verschiedenen Höhen für die nächsten Stunden zeigt. Dieser Ratgeber erklärt, was du darin siehst und wie du es für deine Flugentscheidung nutzt.

Das Diagramm

Was zeigt das Höhenwind-Diagramm?

Heute06091215182135003000250020001500START120028 km/hBöe 32RichtungSW 250°Höhe2 500 m MSLICON-D2 2,2 kmZellfarbe: Bewölkung · Pfeil & Farbe: Wind
Die Zellfarbe zeigt Bewölkung, der Pfeil zeigt Windrichtung, seine Farbe zeigt Windstärke. Die orange Kurve ist die Obergrenze der Thermik (BLH).

Das Diagramm hat eine Zeitachse (horizontal, stundenweise) und eine Höhenachse (vertikal, in Metern über Meer). Zwei Signale pro Zelle — eins für Himmel, eins für Wind:

  • Zellfarbe — Bewölkung: Je dichter die Wolken auf dieser Höhe, desto grauer wird die Zelle. Helle Zellen heißen: klare Luft, Sicht in die Ferne. Graue Zellen heißen: abgedeckter Himmel, weniger Thermik, eventuell IFR-artige Bedingungen für dich als VFR-Pilot.
  • Windpfeile — Richtung und Stärke: Jeder Pfeil zeigt, wohin der Wind weht (der Flugrichtungspfeil, nicht die meteorologische „kommt-aus"-Richtung). Die Pfeil- farbe codiert die Geschwindigkeit:
  • BLH-Kurve — Thermikhöhe: Die orange Linie zeigt die Obergrenze der Thermik (Boundary Layer Height). Steigt sie im Tagesverlauf an, wächst dein nutzbarer Luftraum nach oben. Bricht sie gegen Abend zusammen, endet das Thermikfenster.
  • Konfidenz-Schraffur: Zellen mit schrägem Streifenmuster markieren Stunden, in denen mehrere Modellquellen uneinig sind. Das heißt nicht automatisch schlechtes Wetter — nur, dass der Wert mit mehr Vorsicht zu lesen ist.
  • Richtungsscherung: Drehen sich die Pfeile zwischen zwei benachbarten Höhen stark (z. B. unten SW, oben West), liegt Scherung vor. Das zerreißt Thermik und erzeugt turbulente Schichten.
  • Geschwindigkeitsscherung: Wechseln die Pfeil- farben zwischen benachbarten Höhen abrupt von Grün auf Orange/Rot, wird der Wind auf kurzem Höhenabstand deutlich stärker — klassische Lee-Rotor- und Turbulenzzone.

Was zeigt der Tooltip?

Tippe oder hover über eine Zelle, um den Tooltip zu öffnen. Er zeigt:

  • Höhe: Die Höhe in Metern über Meer und, wenn verfügbar, in Metern über Grund (AGL). Auf Starthöhe wird zusätzlich die Kompatibilität mit der Startrichtung angezeigt.
  • Windgeschwindigkeit: In km/h mit Farbquadrat, das die Stärke sofort zeigt (grün/gelb/orange/rot).
  • Böen: Böen in km/h auf Starthöhe, wenn das DWD-Modell sie für diese Höhe berechnet.
  • Windrichtung: In Grad und als Kompassbuchstabe (z. B. SW 230°). Auf Starthöhe zeigt der Tooltip zusätzlich die Abweichung zur Startrichtung.
  • Temperatur und Taupunkt: Lufttemperatur und Taupunkt auf dem gewählten Niveau, hilfreich zur Einschätzung der Thermikfähigkeit.
  • Modellvergleich:Wenn die Modellquellen unterschiedliche Werte liefern (ab 3 km/h Abweichung), zeigt der Tooltip beide Stände nebeneinander. Große Abweichungen (>10 km/h) werden als Unsicherheit markiert.
  • Datenquelle: Ganz unten steht das Modell (ICON-D2 2,2 km oder ICON-EU 6,5 km) und ob die Höhe geländekorrigiert ist.

Unterhalb des Diagramms siehst du eine Zeile mit Stationsmessungen, wenn Wetterstationen in der Nähe verknüpft sind. Der Tooltip zeigt dort auch die Abweichung zwischen Messung und Vorhersage — so erkennst du, wie gut das Modell gerade performt.

Höhenstufen

Was bedeuten die Höhen im Diagramm?

Die Zeilen im Diagramm entsprechen den Modellniveaus des DWD ICON-D2 — dem gleichen Modell, das die Wetterdienste nutzen. Sichtflug wählt die Niveaus automatisch basierend auf dem Gelände an deinem Startplatz. Typisch sind:

  • Starthöhe ± 200 m — der Wind direkt am Start. Hier entscheidest du, ob du aufbauen kannst.
  • 850 hPa ≈ 1.500 m — die Basis der meisten Thermikflüge im Voralpenland. Wenn hier über 25 km/h wehen, wird die Thermik unorganisiert.
  • 700 hPa ≈ 3.000 m — relevant für alpine Streckenflüge. Starker Wind auf diesem Niveau erzeugt Lee-Turbulenzen hinter Gebirgskämmen.
  • 500 hPa ≈ 5.500 m — die großräumige Strömung. Zeigt dir, wohin das Wetter zieht und ob Föhn aufbaut.

Die Höhen sind in Metern über Meer (MSL) angegeben. Das Geländeprofil am Startplatz wird als graue Fläche am unteren Rand dargestellt — so siehst du sofort, welche Niveaus über dem Boden liegen.

Lesen

Wie erkenne ich gute und schlechte Bedingungen?

Drei Muster, die du im Diagramm erkennen solltest:

  • Grüne Säule von oben bis unten: Leichter Wind auf allen Niveaus. Gute Thermikbedingungen, ruhiger Flug. Das ist der Tag, auf den du wartest.
  • Grün unten, Rot oben: Am Boden ruhig, aber starker Höhenwind. Die Windscherung zwischen den Niveaus erzeugt Turbulenzen — Thermik wird zerrissen, bevor sie sich aufbaut. Vorsicht bei Streckenflügen.
  • Pfeile drehen zwischen den Niveaus: Wenn der Wind unten aus Süd kommt und 1.000 m höher aus West, liegt starke Richtungsscherung vor. Das bedeutet turbulente Schichten in der Thermik.

Faustregel: Alle Pfeile zeigen in dieselbe Richtung, alles grün → ruhiger Tag. Farben wechseln oder Pfeile drehen zwischen Niveaus → Turbulenzen wahrscheinlich.

Datenquelle

Was Sichtflug gegenüber Previmeteo, Previtemp & Co. besser macht

~50 Mio.
Wind-Datenpunkte pro Tag für die Alpen neu berechnet — pro Startplatz mehrmals täglich, auf allen relevanten Höhenniveaus.
Modelläufe pro Tag. Viele Konkurrenten rechnen nur einmal am Morgen — wir holen den aktuellsten Lauf, sobald er fertig ist.
2 Gitter
Regulär (Lat/Lon) und ikosaedrisch. Pro Startplatz wählen wir automatisch das Gitter, das die Geländehöhe am besten trifft.

Intra-Day Updates statt „einmal morgens rechnen"

Der DWD veröffentlicht ICON-D2 alle drei Stunden einen neuen Lauf. Jeder dieser Läufe beginnt mit den frischesten Radiosondenaufstiegen, Radardaten, METAR-Meldungen und Satellitenbeobachtungen. Der Wert für 15:00 Uhr wird um 12Z typischerweise besser als um 06Z — das Modell hat inzwischen einen Messzyklus mehr gesehen.

Viele verbreitete Apps — darunter Previmet, Previtemp, sowie die klassischen Druckflächen-Viewer auf GFS-Basis — beziehen einen Lauf pro Tag und zeigen dir den ganzen Tag lang denselben Forecast. Sichtflug holt hingegen jeden neuen ICON-Lauf, sobald er verfügbar ist, und schreibt die Vorhersage fort. Auf dem Weg zum Startplatz hast du also nicht den Wert von gestern Nacht, sondern den von vor zwei Stunden.

Zwei Gitter, weil ein Gitter die Alpen nicht trifft

ICON-D2 existiert in zwei Ausprägungen: als reguläres Lat/Lon-Gitter und als ikosaedrisches („dreieckiges") Gitter. Beide decken denselben Raum ab, aber an unterschiedlichen Koordinaten — und die Modelltopographie fällt deshalb pro Punkt unterschiedlich aus. An einem Kamm wie dem Heuberg trifft das reguläre Gitter die reale Geländehöhe auf ± 30 m, das ikosaedrische auf ± 120 m. An einem Punkt 4 km weiter Richtung Tal kann sich das Verhältnis umkehren.

Konkurrenz-Apps werten nur ein Gitter aus und nehmen den Höhenfehler stillschweigend in Kauf. Sichtflug wählt pro Startplatz das Gitter mit der besseren Modellhöhe — in unseren Benchmarks liegt die Mischung bei ~72% regulär und ~28% ikosaedrisch. Damit reduzieren wir den mittleren Fehler am Startplatz spürbar, gerade auf Gipfeln und Vorsprüngen, die im groben Gitter „flachgebügelt" erscheinen.

Native Modellniveaus statt interpolierter Druckflächen

Zusätzlich nutzen wir die nativen Modellniveaus des DWD ICON-D2 — nicht interpolierte Druckflächen wie 850 hPa oder AGL-Schätzungen über einer Einheitsatmosphäre. Viele generische Wetter-APIs tauschen je nach Tageszeit zwischen Druckfläche und AGL, wodurch deine Höhe um mehrere hundert Meter „springen" kann, ohne dass sich die Vorhersage tatsächlich geändert hat. Wir lesen direkt die Werte, mit denen das Modell rechnet, und vergleichen sie mit einer unabhängigen zweiten Quelle — Abweichungen ab 3 km/h zeigt der Tooltip, Abweichungen über 10 km/h markieren wir als Konfidenzschraffur im Diagramm.

Wichtig trotzdem: Modellwerte sind Vorhersagen, keine Messungen. Lokale Effekte — Talwinde, Leerotoren, Hangaufwinde — werden von keinem Modell perfekt abgebildet. Der Höhenwind zeigt dir die großräumige Strömung; die letzten Meter am Startplatz beurteilst du immer selbst anhand von Windsack, Fahne und Gefühl.

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Stand: April 2026