Thermikhotspots: beobachtete Aufwinde aus Flügen
Die Thermikprognose sagt dir, wie stark die Thermik heute werden sollte. Thermikhotspots beantworten eine andere Frage: an welchen Graten und Felsflanken steigen Piloten hier eigentlich immer? Zwei unabhängige Sichten auf denselben Himmel — zusammen tragen sie deine Flugentscheidung.
Hotspots auf der Karte
Aktiviere in den Kartenebenen "Thermikhotspots (beobachtet)". Auf der Karte erscheinen farbige Kreise an Stellen, wo in vergangenen Flügen wiederholt Aufwinde getroffen wurden. Grösse des Kreises = Häufigkeit. Farbe = typisches Steigen.
- Hover auf einen Punkt zeigt: mittleres Steigen, typische Basis, Anzahl Flüge, Anzahl Piloten, Anzahl Flugtage.
- Filter nach Wetterlage (angemeldet): derselbe Spot verhält sich unter Nordföhn anders als bei thermischem Hochdruck. Der Regime-Filter teilt die Hotspots nach aktueller Wetterlage auf.
- Schwellwert: Unterhalb 20 Aufwinde / 3 Piloten / 10 Flugtage zeigen wir nichts. Das ist der gleiche Disziplin-Standard wie auf thermal.kk7.ch — lieber eine leere Zelle als ein Phantom-Hotspot aus einem einzigen Flugtag.
Zwei Karten, zwei Fragen
Sichtflug hat zwei Thermikschichten, die sich bewusst nicht überlagern:
- Thermikprognose — Was soll heute werden? Berechnet aus dem DWD ICON-D2 Modell plus Geländekorrekturen. Sagt dir Obergrenze, Fenster und Stärke für heute.
- Thermikhotspots — Wo ist es in der Vergangenheit regelmässig gegangen? Aggregiert aus realen XC-Flügen, unabhängig vom Wettermodell.
Beide Ebenen beantworten verschiedene Fragen und widersprechen sich nicht — ein Tag mit schwacher Prognose an einem dichten Hotspot kann trotzdem gehen, wenn die lokalen Bedingungen passen. Ein starker Prognosewert an einer Zelle ohne Flugspuren kann trotzdem tragen, weil noch niemand dort geflogen ist. Die Hotspots geben dir die Ortungssicherheit, die Prognose den Zeit-Rahmen.
Vom Flug zum Hotspot
Der Prozess ist so aufgebaut, dass eine einzelne Zelle erst dann öffentlich wird, wenn sie empirisch gedeckt ist:
- Fluggrundlage. Nur XC-Flüge ab 10 km zählen. Soarer, Wandelflüge, Abgleiter werden rausgefiltert. Tandemflüge, Speedflying und Acro bleiben aussen vor.
- Aufwind-Definition. Ein Steigsegment zählt als Thermik, wenn: mindestens 1,0 m/s über 45 Sekunden, mindestens 100 m Höhengewinn, Einstieg mindestens 50 m über Grund, klare Kreisflugbewegung (180° oder mehr Kursänderung innerhalb von 30 Sekunden). Diese Schwellen stammen aus der ParaglidingNet-Studie an der ETH Zürich.
- Windrück-Projektion. Die Thermik wird im Wind verdriftet — oft hundert Meter oder mehr zwischen Auslösepunkt und Thermiksäule. Sichtflug nutzt das tatsächliche DWD ICON-D2 Windprofil für die Flugstunde, um das Steigsegment zurück zum Startpunkt am Grat zu projizieren. Das ist der Grund, warum unsere Hotspots auf dem Grat liegen und nicht in der Luftsäule darüber.
- H3-Zellenaggregation. Jeder Trigger landet in einer H3-Zelle der Auflösung 9 (etwa 105 m Kantenlänge). Mehrere Trigger desselben Flugs in benachbarten Zellen werden zusammengeführt, damit Startplätze nicht künstlich dominieren.
- Dichtekontrolle. Eine Zelle wird öffentlich, sobald 20 Aufwinde von 3 verschiedenen Piloten an 10 verschiedenen Flugtagen zusammenkommen. Zellen, in denen die ersten zehn Minuten oder die ersten zwei Kilometer eines Fluges stattfanden, zählen mit geringerem Gewicht — Startplatzverzerrung einrechnend.
Was zeigen wir nicht
Hotspots sind aggregierte Dichtekarten. Einzelne Piloten, Namen oder individuelle Flugspuren sind über die Hotspot-Schicht nicht sichtbar oder rekonstruierbar. Die Mindestgate-Schwelle (3 unterschiedliche Piloten pro Zelle) schützt davor, dass eine Zelle mit nur einem Pilot einen einzelnen Flug preisgibt. Live- Flugspuren werden mit 24 Stunden Verzögerung veröffentlicht.
Was die Karte nicht ersetzt
- Hotspots sind ein historisches Muster, keine Tagesprognose. Verwende sie als Ortungshilfe — nicht als Garantie.
- In Gebieten mit wenig Flugaktivität (Nord-DE Flachland, kleine Gebiete in den Südalpen) ist die Datenbasis dünn. Die ICON-D2-Prognose bleibt in diesen Gebieten die Hauptquelle.
- Das Gelände ändert sich nicht, aber die lokale Landnutzung (Wald, Wiese, Fels) schon. Ein Hotspot aus 2019 ist nicht automatisch eins in 2027. Wir gewichten Daten älter als 3 Jahre mit halbem Gewicht und schneiden bei 10 Jahren.
Verwandte Ratgeber
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Stand: April 2026