Du kannst dir Lufträume wie ein Bürogebäude vorstellen. Auf dem Lageplan siehst du zunächst nur den Grundriss. Erst die Etage verrät, ob ein Raum deinen Weg berührt.
Über demselben Ort können mehrere Lufträume übereinanderliegen. Eine Kontrollzone beginnt zum Beispiel am Boden, während ein anderer Luftraum erst einige tausend Fuß höher anfängt. Jeder hat eine Untergrenze, eine Obergrenze und eigene Zugangsregeln. Manche gelten rund um die Uhr, andere werden nur für bestimmte Zeiten aktiviert.
Sichtflug zeigt dir diesen Aufbau auf der Karte und am Fluggebiet. Du siehst, welche Lufträume über deinem Startplatz liegen, in welcher Höhe sie beginnen und ob für den geplanten Flugtag eine Aktivierung gemeldet ist.
Am Startplatz beginnen
Öffne das gewünschte Fluggebiet und scrolle zu „Luftraum in der Nähe“. Dort fasst Sichtflug die Lage rund um den gewählten Startplatz zusammen. Du siehst den aktuellen Status, die ausschlaggebenden Gründe und die verfügbare Höhe.
Gibt es mehrere Startplätze, wählst du den tatsächlich geplanten Start aus. Das Höhenprofil passt sich daran an und zeigt, welche Lufträume über Start und Umgebung liegen. Ein Tipp auf einen Block öffnet Typ, Klasse, Unter- und Obergrenze, Entfernung, Status und Quelle.
Die angezeigte Maximalhöhe ist eine lokale Planungshilfe. Sie bezieht sich auf den ausgewählten Startplatz und die dort bekannten Lufträume. Auf einer längeren Strecke können weitere Zonen hinzukommen. Fehlt eine belastbare Ausgangshöhe, bleibt die Berechnung offen.
Die Karte für die Strecke nutzen
Am Desktop öffnest du oben rechts „Karte“ und schaltest „Luftraum“ ein. Am Smartphone findest du die Ebene unter „Kartenebenen“ in der unteren Leiste. Auf dem Desktop bekommt die aktive Ebene einen eigenen Schnellschalter. Schaltest du sie dort aus, bleibt der Schalter grau und lässt sich mit einem Klick wieder aktivieren. Mit × entfernst du ihn aus der Leiste.
Die Luftraumsteuerung ordnet die Zonen in acht Gruppen:
- Sperr-/Gefahr
- Kontrollzonen
- Naturschutz
- Luftsport / Sprung
- Segelflug
- Funk / Transponder
- Militär
- Info / Struktur
„Info / Struktur“ ist anfangs ausgeblendet. Jede Gruppe lässt sich einzeln ein- und ausschalten. Die Kategorie-Schalter blenden eine Gruppe vollständig aus. Für den letzten Streckencheck sollten deshalb alle für den Flug relevanten Gruppen eingeschaltet sein.
Unter „Luftraum bis“ kannst du die Darstellung auf den Höhenbereich begrenzen, der für deinen Flug interessant ist. Zur Auswahl stehen „Bis 1.680 m“, „Bis 3.960 m“ und „Alle“. Der Filter ist eine Obergrenze für die Darstellung: Ein Luftraum bleibt sichtbar, wenn seine Untergrenze innerhalb des gewählten Bereichs liegt.
Ein Tipp auf eine Fläche öffnet alle Lufträume an dieser Stelle. So übersiehst du keine weitere Zone, die über oder unter der zuerst sichtbaren Fläche liegt.
Was die Farben bedeuten
Für zeitweise genutzte Lufträume ruft Sichtflug regelmäßig die veröffentlichten Meldungen der zuständigen Stellen ab. Dazu gehören unter anderem AUP und NOTAM der DFS, AUP von Austro Control und ATIS österreichischer Flughäfen, das Schweizer DABS, SIA AZBA für Frankreich, Eurocontrol EAUP sowie NOTAM von Slovenia Control.
Sichtflug ordnet die gemeldeten Zeiten und Höhen dem betroffenen Luftraum zu. In der Detailansicht findest du die Quelle und den Zeitpunkt der letzten Prüfung.
Die Farbe dient nur zur schnellen Orientierung. Lies immer auch das Statuswort und den Satz darunter. Sie sagen, was die Meldung für den Einflug bedeutet.
Öffne bei Rot oder Orange die Detailansicht. Dort steht, ab wann die Meldung gilt, welche Höhen betroffen sind und ob eine Sperre, eine Öffnung, eine Gefahr oder eine Statusabfrage vorliegt.
Überlappende Lufträume prüfen
An vielen Orten liegen mehrere Lufträume übereinander. Ein Tipp auf die Karte öffnet deshalb zunächst alle Treffer an dieser Stelle. Jeder Eintrag nennt Typ, Klasse, Unter- und Obergrenze sowie den aktuellen Status. Die Höhengrenzen stehen zuerst in Metern. Die veröffentlichte Angabe in Fuß oder als Flugfläche bleibt direkt darunter erhalten.
Führt ein Eintrag zur Detailansicht, findest du dort:
- den aktuellen Status,
- die gemeldeten Zeitfenster,
- Unter- und Obergrenzen,
- betroffene Fluggebiete,
- frühere Aktivierungen und
- die Originalquelle mit dem Zeitpunkt der letzten Prüfung.
Mit „Auf der Karte zeigen“ setzt du den ausgewählten Luftraum wieder vollständig ins Kartenbild.
Statusangaben richtig lesen
- Offen: Ein dafür vorgesehener Bereich ist durch seine Aktivierung für Hängegleiter und Paragleiter geöffnet.
- Nicht freigegeben: Ein Bereich, der eine bestätigte Freigabe braucht, ist derzeit nicht geöffnet. Kein Einflug.
- Gesperrt: Eine einschränkende Aktivierung läuft oder für den Bereich gilt ein Flugverbot. Kein Einflug.
- Nicht aktiv: Eine aktuelle und vollständige Veröffentlichung bestätigt, dass die einschränkende Zone derzeit nicht aktiv ist.
- Nicht aktiviert: Für die Zone liegt derzeit keine Aktivierung vor. Der Erklärungssatz zeigt, was das für den Einflug bedeutet.
- Keine Freigabepflicht: Für diesen Luftraum oder das angezeigte Höhenband brauchst du keine Flugverkehrsfreigabe. Veröffentlichte Bedingungen gelten weiterhin.
- Gefahr: Eine Tätigkeit wie militärischer Flugbetrieb, Fallschirmsprünge oder Drohnenbetrieb ist gemeldet. Das ist nicht automatisch ein Flugverbot. Prüfe Höhen und Zeitraum.
- Status erfragen: Die zuständige Stelle kann den aktuellen Zustand bestätigen. Frequenz oder Telefonnummer stehen direkt in der Detailansicht.
- Öffnung geplant oder Sperre geplant: Ein kommendes Zeitfenster ist bekannt, aber noch nicht in Kraft. Das Statuswort zeigt, in welche Richtung sich die Lage ändert.
- Segelflugbetrieb oder Segelflug geplant: In diesem Bereich findet Segelflugbetrieb statt oder ist angekündigt. Das Statuswort weist auf den Verkehr hin; die Regeln des umgebenden Luftraums gelten weiterhin.
Aktivierungen entlang deiner Strecke
Wenn du einen Streckenflug oder einen Flug für den nächsten Tag planst, lohnt sich ein Blick auf die Seite „Aktuelle Luftraum-Aktivierungen“. Sie gruppiert die gemeldeten Zeitfenster nach Tagen. So erkennst du schnell, ob eine Zone entlang deiner Strecke während der geplanten Flugzeit aktiv wird.
Für einen Flug am selben Tag wählst du „Heute“. Mit „Morgen“, „+3 Tage“, „+7 Tage“ und „+14 Tage“ kannst du weiter vorausplanen. Die Länder- und Typfilter helfen in Regionen mit vielen Einträgen oder bei einem grenzüberschreitenden Flug.
Jeder Eintrag enthält die betroffene Höhe, das Zeitfenster und die verwendete Quelle. Öffne die Zone, wenn sie in der Nähe deines Startplatzes oder auf deiner möglichen Strecke liegt. Dort findest du auch betroffene Fluggebiete und frühere Aktivierungen.
Bei einer längeren Tour prüfst du nacheinander alle berührten Länder. Am Flugtag lädst du die Übersicht noch einmal neu und öffnest die Originalquelle für die Zonen, die deinen Flugweg betreffen.
Höhenangaben verstehen
Luftraumgrenzen werden in der Luftfahrt überwiegend in Fuß und Flugflächen veröffentlicht. Sichtflug zeigt sie in Metern, Flugflächen bleiben als FL erhalten. Werte wie 4.500 ft musst du nicht selbst umrechnen.
- GND: Der Luftraum beginnt am Boden.
- AGL, Above Ground Level: Höhe über dem örtlichen Gelände.
- AMSL, Above Mean Sea Level: Höhe über dem mittleren Meeresspiegel.
- FL, Flight Level: Flugfläche auf Grundlage des Standardluftdrucks.
Bei einer Untergrenze von 4.500 ft AMSL bleibt die absolute Höhe überall gleich. Der Abstand zum Boden wird in bergigem Gelände entsprechend kleiner. Das Höhenprofil am Fluggebiet zeigt die Luftraumgrenzen über dem gewählten Startplatz.
Luftraumklassen in Kürze
| Klasse | Einordnung | Gleitschirm | Voraussetzung |
|---|---|---|---|
| G | Unkontrolliert | Möglich | Keine ATC-Freigabe, örtliche Regeln beachten |
| E | Kontrolliert für IFR | Möglich | Keine ATC-Freigabe für VFR nötig |
| D | Kontrolliert | Nur mit Freigabe | ATC-Freigabe und durchgehender Sprechfunk |
| C | Kontrolliert | Nein | Transponder und Sprechfunk, am Gleitschirm praktisch nicht verfügbar |
Für Luftraum C sind Transponder und Sprechfunk vorgeschrieben, beides ist am Gleitschirm praktisch nicht verfügbar. Sichtflug behandelt die Untergrenze von Klasse C deshalb als Obergrenze deiner Planung.
Die ICAO-Klasse beschreibt, welche Regeln innerhalb eines Luftraums gelten. Die Länder legen fest, wo diese Klassen beginnen, wie sie gestaffelt sind und welche lokalen Verfahren hinzukommen.
In Österreich haben einige kontrollierte Lufträume eine Untergrenze von 1.000 ft AGL, das sind rund 300 m über Grund. Unterhalb dieser Grenze liegt je nach Gebiet Klasse E oder G. Mit dem Überschreiten der veröffentlichten Untergrenze beginnen die Regeln der darüberliegenden Klasse.
Solche nationalen und lokalen Staffelungen sind der Grund, weshalb Sichtflug die tatsächlichen Grenzen aus den jeweiligen Veröffentlichungen darstellt. In Deutschland beginnt Klasse C bei FL 100, rund 3.050 m, im Alpengebiet bei FL 130, rund 3.960 m. Sichtflug rechnet diese Grenze in die Maximalhöhe ein.
Mehr zu den allgemeinen Klassenregeln findest du in den SERA-Regeln der EASA. Für Deutschland fasst auch der DHV die Flugplanung im Luftraum zusammen.
Häufige Zonentypen
- Kontrollzone (CTR, Control Zone): Sie beginnt am Boden und schützt den Verkehr rund um einen kontrollierten Flugplatz.
- Nahverkehrsbereich (TMA, Terminal Manoeuvring Area): Eine TMA liegt meist über oder neben einer Kontrollzone und hat eine veröffentlichte Untergrenze.
- Kontrollbezirk (CTA, Control Area): Auch hier entscheidet die Untergrenze, ob der Luftraum den geplanten Höhenbereich berührt.
- Flugplatz-Verkehrszone (ATZ, Aerodrome Traffic Zone): Sie schützt den Verkehr an einem Flugplatz und kann eigene Einflugregeln haben.
- Gefahrengebiet (D oder Q, Danger Area): Dort können zeitweise Tätigkeiten stattfinden, die für den Flug gefährlich sind. Status, Höhenband und Originalmeldung erklären die konkrete Lage.
- Sperrgebiet (R, Restricted Area): Der Einflug richtet sich nach den veröffentlichten Bedingungen und Aktivierungszeiten. Ein für den Luftsport vorgesehenes Sperrgebiet erscheint als „Hängegleiter- & Paragleitergebiet (R)“.
- Verbotsgebiet (P, Prohibited Area): Hier gilt ein veröffentlichtes Flugverbot.
- Temporär reservierter Luftraum (TRA, Temporary Reserved Airspace): Sichtflug bezeichnet ihn je nach Zweck als „Temporäres Sperrgebiet“, „Segelfluggebiet (TRA)“, „Hängegleiter- & Paragleitergebiet (TRA)“ oder „Segelflug- & Paragleitergebiet (TRA)“. Die Aktivierung kann eine Sperrung oder eine Öffnung bedeuten.
- Temporär abgesonderter Luftraum (TSA, Temporary Segregated Area): In Sichtflug erscheint dieser Typ als „Temporäres Sperrgebiet“. Während der Aktivierung ist der Bereich für den angegebenen Zweck reserviert.
- Funkpflichtzone (RMZ, Radio Mandatory Zone): Für den Einflug gelten die veröffentlichten Funkverfahren.
- Transponderpflichtzone (TMZ, Transponder Mandatory Zone): Die Veröffentlichung nennt die benötigte Ausrüstung und mögliche Ausnahmen.
- Militärische Kontrollzone (MCTR, Military Control Zone): Sie beginnt am Boden und richtet sich nach den Betriebszeiten der militärischen Flugleitung.
- Militärisches Übungsgebiet (MTA, Military Training Area): Prüfe vor dem Flug, ob für den geplanten Zeitraum Aktivität gemeldet ist.
- Segelflugsektor (Glider Sector): Bei bestätigter Öffnung kann er zusätzlichen Luftraum für den Luftsport freigeben.
- Luftsport- und Aktivitätsgebiet (Sporting and Recreational Area): Dazu gehören zum Beispiel Fallschirmsprunggebiete und andere veröffentlichte Luftsportaktivitäten.
- Naturschutzgebiet oder Schutzgebiet (Nature Reserve oder Protected Area): In der Detailansicht stehen Zeitraum, Höhenbezug und die für dieses Gebiet hinterlegte Regel.
Woher die Daten stammen
Sichtflug führt je nach Land Geometrien aus den AIP- und AIXM-Veröffentlichungen von DFS, Austro Control, ENAV und SIA mit SHV/FSVL und OpenAIP zusammen. Für aktuelle Aktivierungen verwendet Sichtflug je nach Land DFS AUP und NOTAM, Austro Control AUP und ATIS, DABS, SIA AZBA, Eurocontrol EAUP sowie NOTAM von Slovenia Control.
Jede Detailseite nennt für Geometrie, Regeln und Status die jeweils verwendete Veröffentlichung. Bei überwachten Zonen siehst du außerdem den Zeitpunkt der letzten Prüfung. Öffne die Originalquelle, wenn eine Aktivierung deinen geplanten Flugweg berührt.
Die Länderseiten führen auch veröffentlichte Lufträume ohne laufende Statusbeobachtung: Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien und Slowenien.
Ein sinnvoller Ablauf
- Gewünschtes Fluggebiet und Startplatz öffnen.
- Status und Höhenprofil am Spot prüfen.
- Die erwartete Strecke auf der Karte ansehen.
- Aktivierungszeiten für den Flugtag kontrollieren.
- Kurz vor dem Start das amtliche Briefing und die verlinkten Originalquellen abgleichen.
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Stand: August 2026